19. Februar 2012 von Helmuth Santler
“Meisterhaft konstruiert” wurde dem dieser Graphic Novel zugrundeliegenden Krimi von Jean-Patrick Manchette attestiert. Als Comic rückt leider zweiteres Attribut deutlich mehr in den Vordergrund.
Durchaus interessante Figuren, allen voran die zwischen Unerschrockenheit und Todessehnsucht lavierende Fotografin Ivory Pearl, beleben die Szenerie. Die zeichnerische Umsetzung ist, gemäß dem Wunsch des Herausgebers Doug Headline, dem Sohn Manchettes, “stark und sensibel”, kann jedoch gegen ein Grundproblem des Genres auch nicht an: rennen allzu viele men in black or grey in der Gegend herum, wird die visuelle Zuordnung schwierig bis unmöglich. Nun passt dies zwar durchaus zur paranoiden Undurchsichtigkeit der Story selbst, in der alle im Vordergrund mehr oder minder am Gängelband von kalten Kriegern der geheimen Sorte hängen; ich finde allerdings, dass solche Geschichten, die als Roman funktionieren können, auch wenn sie im Grunde auf nichts hinauslaufen, schlechte oder wenigstens schwierige Vorlagen für Filme oder Comics abgeben, weil es zu viele zu ähnliche Bilder gibt, um diese wirklich sprechen lassen zu können. Durch die Wahl eines kleinen Formats wurde diese Grundproblematik massiv verstärkt.
Die Blutprinzessin, eine auf zwei Teile angelegte Comicadaption eines Noir-Krimifragments, ist ambitioniert und anspruchsvoll, aber etwas bemüht (bzw., wie oben schon gesagt, konstruiert): Es war vielleicht keine gute Idee, gerade den Sohn, der sich offenbar zu extrem hoher Werktreue verpflichtet fühlte, zum Herausgeber zu machen. Adaptionen in anderen Medien müssen in hohem Maße originäre Neuschöpfungen sein, andernfalls laufen sie Gefahr, zur zwangsläufig schlechteren Kopie zu werden.
Max Cabanes, Jean-Patrick Manchette, Doug Headline: Blutprinzessin. Schreiber&Leser noir, München 2011. Geb., 162 S.
P.S.: Schreiber&Leser. Feine Comics für Erwachsene. Genau so ist es; warum also steht auf der amazon-Seite von Blutprinzessin “Vom Hersteller empfohlenes Alter: 14–17 Jahre”?
Schlagworte: Jean-Patrick Manchette, Kalter Krieg, Max Cabanes
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16. Februar 2012 von Helmuth Santler
Es beginnt mit einem Streit: Roni Arias, Nachwuchs-Rennfahrer, stürzt sich blind vor Zorn auf seine Freundin und würgt sie. Als sie kein Lebenszeichen mehr zeigt, flüchtet er in Panik. Wenig später erfährt er: Julia ist tot.
Beim Versuch, den Mord zu vertuschen, hilft ihm sein Vater Tero, ein ehemaliger Polizist. Auf ihrer immer rasender und verzweifelter werdenden Flucht kommen sie einem der bestgehüteten Geheimnisse Schwedens und Finnlands auf die Spur: den Hintergründen um den Untergang des Fährschiffs Estonia, bei dem in den 1990er-Jahren mehr als 850 Menschen ums Leben kamen. Julia, deren Großeltern zu den Ertrunkenen zählten, hatte in dieser Richtung immer wieder nachgebohrt; dabei war sie offensichtlich auf etwas höchst Gefährliches gestoßen. War Roni am Ende gar kein Mörder, sondern Julia ein Opfer ihrer Neugier geworden? Doch welches Verschwörungsszenario konnte, mehr als 15 Jahre nach dem Schiffsunglück, so aktuell sein, um die Beseitigung einer unliebsamen Zeugin zu rechtfertigen?
Ilkka Remes hat es wieder getan: Wie bei seinem für mich nach wie vor besten Buch, Das Erbe des Bösen, nimmt er eine ebenso geheimnisumwitterte wie historisch verbürgte Tatsache – die, gelinde gesagt, Ungereimtheiten um das Unglück der Estonia, im Anhang sogar mit diversen Dokumenten belegt –, spinnt die darin sich abzeichnenden Staatsverbrechen – Schmuggel von russischer Waffentechnik nach Schweden – weiter und reichert das Ganze mit Sympathieträgern und Charakteren zum Mitfiebern an. Heraus kommt ein Spannungsroman erster Güte, bei dem man so nebenbei vieles über das Estonia-Ereignis und über wenig bekannte, ausgesprochen dunkle Seiten der Schweden erfährt: Das nordische Herrenvolk ist einer der weltweit wichtigsten Produzenten von Hitech-Kriegsgerät.
Man spürt richtiggehend, wie Remes, Erbe einer gedemütigten finnischen Knechtseele, es genießt, den arroganten Schweden ans Bein zu pinkeln. Klar bekommen auch die Finnen ihr Fett weg, schließlich machen sie bei der Scharade eifrig mit, aber die treibende Kraft ist eindeutig der Russland-paranoide große Nachbar. Alles in allem ein bemerkenswertes Buch: Info, Thrill und Amusement vom Feinsten.
Ilkka Remes: Tödlicher Sog. dtv, München 2010. Tb., 458 S.
Schlagworte: Finnland, Ilkka Remes, Russland, Schweden, Waffenhandel
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9. Februar 2012 von Helmuth Santler
“Atombombe des Geistes”, “Wahnsinnsdroge”, “Erleuchtungsmolekül”: Die Entdeckungs- und Wirkungsgeschichte des LSD ist mit das spannendste Stück Wissenschaftshistorie, das das 20. Jahrhundert geschrieben hat. 3 Jahre nach Albert Hofmanns Tod ist nun eine umfassende, enorm materialreiche und reich bebilderte “Doppel-Biografie” erschienen. Sie zeichnet das 102-jährige, bewegte Leben des Schweizer Chemikers nach, der Spiritualität, Mystizismus und Naturwissenschaft zu verbinden wusste, und erzählt die Geschichte seiner Entdeckungen, allen voran natürlich jene seines “Sorgenkinds”, wie er selbst das LSD in seinem 1978 erschienen Buch bezeichnete.
Hofmann legte Wert auf die Klarstellung, dass er mit dieser Bezeichnung das Augenmerk nicht auf die Probleme mit dem potentesten Halluzinogen aller Zeiten legen wollte, sondern auf den Umstand, dass man sich des Lysergsäurediäthylamids mit besonderer Obsorge anzunehmen habe. Er selbst zweifelte nie daran, dass es sich vielmehr um ein “Wunderkind” handelte, und erlebte zu seiner großen Freude noch die Rückkehr des Psychedelikums in den Schoß der Wissenschaft, nach 35 Jahren nahezu weltweiter Illegalität. Das LSD, von dem er stets sagte, es habe ihn gefunden und nicht umgekehrt, betrachtete er als “Hilfsmittel, uns in das zu verwandeln, was wir sein sollen. Die wohl wertvollste Erkenntnis besteht ja darin, wieder zu wissen, wohin man gehört; ein Teil zu sein der lebendigen Natur. Ich glaube, es war in der Entwicklung der Menschheit nie so notwendig, diese Substanz zu haben”.
Ohne das LSD wäre unsere Welt eine andere; beileibe nicht nur psychedelische Kunst und die Flower-Power-Bewegung fanden in ihm ihren wichtigsten Treibstoff, auch nobelpreiswürdige Ideen hat es nachweislich befördert und seinen bedeutenden Anteil an der Entstehung der Computergeneration. Der Mann dahinter erwarb sich die Freundschaft und den tiefen Respekt zahlreicher großer Geister; am schönsten drückte es wohl der Schweizer Bundespräsident Moritz Leuenberger in einem sehr persönlichen Schreiben zu seinem 100. Geburtstag aus: “Gäbe es in der Schweiz einen Rat der Weisen, würden Sie ganz bestimmt dazugehören.”
Dieter Hagenbach, Lucius Werthmüller: Albert Hofmann und sein LSD. Ein bewegtes Leben und eine bedeutende Entdeckung. Mit einem Vorwort von Stanislav Grof. AT-Verlag, Aarau und München 2011. Geb., 404 S.
Schlagworte: Albert Hofmann, Aldous Huxley, CIA, LSD, Psilocybin, Timothy Leary
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1. Februar 2012 von Helmuth Santler

Catherine “Cathy” Jamison, ideal und glänzend besetzt mit Laura Linney (Das Leben des David Gale, Die Geschwister Savage, John Adams, The Mothman Prophecies), erhält zum Auftakt der Serie die niederschmetternde Diagnose: Krebs! Unbehandelbar; Prognose: 6 Monate.
Die Collegelehrerin verleugnet erst einmal alles, gesteht weder sich noch sonst jemandem ein, wie es um sie steht. Einzig die misanthropische Nachbarin, selbst schon mit einem Fuß im Grab, durchschaut die Sache. Dann aber beschließt die etwas verhuschte Lehrerin, dass jetzt endlich einmal sie an der Reihe ist. Mit dem Leben. Schließlich steht das Verfallsdatum vor der Tür …
Herrlich unsentimental, schwarzhumorig, politisch unkorrekt, makaber, direkt, drastisch und bei all dem stets glaubwürdig und lebensnah. Nicht selten zum Brüllen komisch, immer wieder aber auch tief berührend, lebt The Big C abgesehen vom starken Skript und dem sardonischen Tonfall, den Laura Linney perfekt trifft, vor allem von den schrägen Charakteren: Cathys Bruder Sean, der manisch-depressive, aus dem Müll essende Obdachlosen-Guru; die fette, schwarze Andrea, die allen über den Mund fährt und dabei total sensibel ist und von einer Karriere als Modedesignerin träumt (Gabourey Sidibe, bekannt aus Precious – Das Leben ist kostbar); Marlene, die selbst todkranke Nachbarin, mit ihrem Humor aus dem Leichenschauhaus… Prominente Gastauftritte (Idris Elba, Star der ebenso düsteren wie großartigen Brit-Crime-Serie Luther; Liam Neeson [96 Hours, Unknown Identity, Under Suspicion - Unter Verdacht, Rob Roy, Schindlers Liste]) vervollständigen den überaus positiven Gesamteindruck.
Die erfolgreiche und mehrfach ausgezeichnete Showtime-Serie geht im Original ab 8. April 2012 in die dritte Staffel; Staffel 1 ist auf deutsch erhältlich.
Schlagworte: Cancer, Drama, Gabourey Sidibe, Idris Elba, Komödie, Krebs, Laura Linney, Liam Neeson
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29. Januar 2012 von Helmuth Santler
Ein kriegstraumatisierter Kroate mutiert vom staatlich sanktionierten Serbentöter zum wesentlich besser bezahlten Auftragskiller in Diensten der kroatischen Mafia. Das geht so lange (sehr) gut, bis eines seiner Opfer sich als FBI-Mann entpuppt; “Toxic” will in die Heimat flüchten, doch stattdessen verschlägt es ihn nach Island, getarnt als Fernsehprediger Father Friendly. Der echte Prediger bleibt in einer New Yorker Flughafentoilette zurück, von der Last des Lebens befreit…
Schräge Krimikomödie voller absurder Gestalten, offensiver Rhetorik und mitunter genialen Wortschöpfungen (“titolitär” für Ex-Jugoslawien; Kompliment an dieser Stelle für Kristof Magnusson, der als Übersetzer ins Deutsche fungierte). Wirklich witzig, wie der Berufsethos eines ehrlichen Auftragsmörders, der nie jemandem etwas zuleide tun wollte und deshalb alle seine Morde so schnell und schmerzlos wie möglich erledigt hat, mit den Untiefen des christlichen Fundamentalismus kollidiert; zweimal Wahnsinn mit Methode ergibt eine bei allem Irrsinn plausible Gleichung. Den Weg dorthin nützt der Autor, um alles durch den Kakao zu ziehen, was in seine Griffweite gerät.
Hallgrímur Helgason: Zehn Tipps, das Morden zu beenden und mit dem Abwasch zu beginnen. dtv, München 2011. Tb., 272 S.
Taschenbuch
Gebundene Ausgabe
Kindle-Edition
Schlagworte: Hallgrímur Helgason, Island, Komödie
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22. Januar 2012 von Helmuth Santler

Der Endsieg des Überwachungsregimes moderner Bauart ist Wirklichkeit: Ein geheimes System wertet sämtliche Überwachungsdaten aller Kameras, Mikros, E-Mails usw. aus und setzt sie miteinander in Beziehung – um Bedrohungen schon zu verhindern, bevor sie eintreten. Bei dieser futuristischen, proaktiven Antiterrormaßnahme fallen jedoch auch Normalos auf, die in irgendeiner Weise in gefährliche Situationen geraten werden; für die Regierung sind sie irrelevant, der Erfinder des Systems, Harold Finch (Michael Emerson, Lost
) ist jedoch nicht willens, diese “Kollateraldaten” ebenso zu übergehen. Er findet sich im mysteriösen Mr. Reese (Jim Caviezel, Frequency
, Unknown
, Die Passion Christi
) den richtigen Mann fürs Grobe. Gemeinsam greifen sie in das von ihrem Hi-Tech-Orakel prophezeite Schicksal unbekannter Menschen ein – ohne je zu wissen, ob ihre jeweilige Person of Interest Opfer(in) oder Täter(in) ist …
Prominenz vor und hinter der Kamera zeichnet die Science-Fiction-Thriller-Crime-Serie aus: Harold Finch, der paranoide Billionär und Programmierer des Systems, wird von Michael Emerson gespielt, bekannt als Anführer der Anderen in der Mystery-Serie Lost, und wie dort ist er als hochgefährliche Person, die den Anschein größtmöglicher Unbedarftheit zu erwecken versteht, ideal besetzt. Die Verbindung zu Lost ist produzentenseits gegeben: Da wie dort ist es J. J. Abrams
, der für die künstlerische Oberhoheit der Serien Alias – Die Agentin
und Fringe – Grenzfälle des FBI
sowie der Kinofilme Super 8
und Star Trek (2009)
verantwortlich zeichnet.
Was Finch braucht ist ein Mann “with the skills to intervene”: Er findet sie in Gestalt von Mr. Reese: tragische persönliche Vergangenheit, reichlich Erfahrung mit Kriegs- und Spionagehandwerk, lakonisch und desillusioniert. Jim Caviezel scheint mit dieser Rolle seine Bestimmung als Schauspieler gefunden zu haben; seine Präsenz ist geradezu verstörend.
Neben der überzeugend paranoiden Grundidee, den ideal besetzten Hauptrollen, stark inszenierter Action und visuell gelungener Umsetzung punktet Person of Interest mit seinem überdurchschnittlich starken Script, insbesondere auch in Bezug auf die Charakterzeichnungen. Womit wir beim kreativen Mastermind angelangt wären: Jonathan Nolan, der Bruder von Christopher Nolan. Letzterer machte aus Jonathans Kurzgeschichte “Memento Mori” den genialen Thriller Memento
, mit dem er vom Geheimtipp zum Regiestar aufstieg. Der Arbeitsaufteilung Script Jonathan Nolan, Regie Christopher Nolan verdanken wir ferner die Streifen Prestige – Die Meister der Magie
und vor allem The Dark Knight
. Wenn im Laufe des aktuellen Kinojahrs 2012 The Dark Knight Rises ist es dann wieder soweit, Nolan/Nolan am Werk erleben zu können.
Die seit September 2011 von CBS ausgestrahlte Serie bekam in Testscreenings die höchsten Ratings für einen Serien-Pilot seit 15 Jahren, übernahm den Sendeplatz von CSI und erreichte eine Quote von über 13 Millionen Zusehern.
Schlagworte: Crime, J. J. Abrams, Jonathan Nolan, Lost, Science Fiction, Thriller
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Breathe Out

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22. Januar 2012 von Helmuth Santler

Teil 2 der nervenzerfetzenden Science-Fiction-Mär um die Bildung der sogenannten Kohärenz – einem Zusammenschluss von Hunderttausenden von Menschen zu einem (nahezu) allwissenden, allmächtigen und allgegenwärtigen, aber seelen- und emotionslosen Gehirnkollektiv.
Spannung pur ist eine Untertreibung: Hat es in Black*Out noch eine Weile gedauert, um die Bühne zu bereiten, geht es in Hide*Out von der ersten Seite an mit Vollgas los. Ein Pageturner erster Güte, der im Tonfall nun 100%-ig auf Linie ist und die mitunter ein wenig irritierende Schlaksigkeit des Auftaktbands vollends abgelegt hat.
Flucht ist das bestimmende Thema von Hide*Out: Nur eine Handvoll Aussteiger weiß von der Kohärenz, die gerade deshalb unbarmherzig daran ist, diesen Keim des Widerstands im Ansatz zu zermalmen. Das Gefühl, ständig verfolgt zu sein, stellt sich auch beim Lesen ein: Man wagt es kaum, den Band aus der Hand zu legen, denn nur durch unausgesetztes Durchrasen des Textes erhält sich das Gefühl, das Geschehen unter Kontrolle zu haben. Aber natürlich hat Eschbach noch ein paar Pfeile im Köcher und ist der einzige, der hier etwas unter Kontrolle hat …
Andreas Eschbach: Hide*Out. Arena-Verlag, Würzburg 2011. Geb., 450 S.
Time*Out, der Abschlussband, ist für Juni 2012 angekündigt.
Schlagworte: 12+, Andreas Eschbach, Science Fiction
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18. Januar 2012 von Helmuth Santler
Petra Juling, Ulrich Berger: Wales. Dumont-Reiseverlag, 2011. Tb., 288 S.
Schlagworte: Wales
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Ausgeblutet

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17. Januar 2012 von Helmuth Santler
Das Cover wars nicht: Mir lag nämlich nur ein neutral gestaltetes, unkorrigiertes Leseexemplar vor, das mir nach zwei Jahren des Abliegens in der richtigen Sekunde in die Hände fiel. Der Einstieg ist gruselig und fesselnd, also las ich ein wenig weiter und fand durchaus Gefallen an der Geschichte. Bald wurde mir allerdings klar, dass ich auf ein Vampirbuch gestoßen war, inklusive Liebesgeschichte und Teenager! Oh graus.
Die Geschichte nahm dann aber doch einige originelle Wendungen und gebärdete sich auch nicht allzu schwülstig, also arbeitete ich mich, das PC-Arbeit-geschädigte Hirn auslüftend, weiter durch das Geschehen. Ab und an stolperte ich über Ausdruckschwächen gröberer Art, schob dies aber zunächst auf meine “unkorrigierte” Fassung. Irgendwann wollte ich das Ding dann nur noch zu Ende bringen, um eben selbiges in Erfahrung zu bringen… Ach hätte ich diesem Drang doch widerstehen können!
Je länger es dauert, desto grauenvoller wird die Schreibe, desto absurder und unstimmiger die Handlung, und vor allem: Pathos und Schwulst steigern sich zu einem Crescendo in Schmalz. Die durchaus vorhandenen interessanten Ansätze verpuffen samt und sonders; übrig bleibt ein missglückter Serien-Auftakt, der nichtsdestotrotz seine Fortsetzung gefunden hat. Denn obwohl Blutherz sehr durchwachsen aufgenommen wurde – ein paar Fans finden sich immer, welche sich im September des Vorjahrs über das Erscheinen von Blutjäger
freuen durften.
Michael Wallner: Blutherz. cbj, München 2012. Tb., 317 S. Blutherz Audiobook
Weitere Bücher von Michael Wallner (sämtlich besser bewertet als Blutherz und mehrheitlich auf ein erwachsenes Publikum abzielend) bei amazon.
Schlagworte: Fantasy, Michael Wallner, Romantik, Vampir
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13. Januar 2012 von Helmuth Santler

Unmittelbar fesselnd, drastisch in Handlung und Setting, historisch begründet: Das AMC-Western-Drama “Hell on Wheels” (der Begriff bezog sich im 19. Jahrhundert auf den Tross aus Hurenzelten, Schnapsbuden, Spiel- und Tanzsalons, der die Gleisarbeiter der Union Pacific Railroad begleitete) setzt nach dem Ende des Bürgerkriegs an. 1865 – Lincoln ist tot und “the nation is an open wound”. Cullen Bohannon (Anson Mount) lernen wir in der Eröffnungssequenz als klassisch wortkargen Gunman kennen, der die Absolution auf sehr endgültige Weise erteilt. Was ihn antreibt, werden wir bald erfahren: Rache für den Mord an seiner Frau, die im Bürgerkrieg einem Trupp der nordstaatlichen Unionsarmee zum Opfer gefallen war.
Deshalb macht sich der Ex-Konföderierte auch auf den Weg zur Union Pacific, die den Wettlauf um die Eisenbahn-Erschließung von Osten aus betreibt. Geschickt versteht er es, die spannungsgeladene Ausgangslage zu seinen Gunsten zu nützen: Als ehemaliger Sklavenhalter wird er zum Aufseher über die schwarzen Arbeiter ernannt. Auch dass er sich quasi in “Feindesland” befindet stellt er als Vorteil dar – ist es doch genau die Lage, in der er sich während der gesamten Kriegsjahre befand.
Oberboss der Union Pacific vor Ort ist Thomas “Doc” Durant (Colm Meaney, The Damned United – Der ewige Gegner
, Layer Cake
, Fisch & Chips
, Star Trek – Movies 7-10
) – tatsächlich in den 1860er-Jahren im Vorstand der Union Pacific, wie auch in jenem der Credit Mobilier of America, und damit einer der Hauptverantwortlichen für einen der ersten wirklich großen Finanzskandale der (US-amerikanischen) Geschichte.
Ausbeutung, Betrug, Indianerangriffe, Blut, Gewalt, Tod und Schnaps, Huren, Prediger und heimwehkranke Iren, “the fair maiden of the west” und natürlich sich zu Tode schuftende (schwarze) Eisenbahnarbeiter, die zwar keine Sklaven mehr sind, aber dennoch Untermenschen, die noch dazu nicht mehr wissen, wo ihr Platz in der Gesellschaft ist. Der düster-dreckige Cocktail mit dem starken Script wurde generell gut aufgenommen und ist die zweiterfolgreichste AMC-Show nach “The Walking Dead”. Die zehnteilige Season 1 endet noch im Jänner 2012, eine zweite Staffel ist aber bereits beschlossene Sache.
Schlagworte: Anson Mount, Colm Meany, Common, Dominique McElligott, Drama, Historie, Western
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